Startseite | Länder/Pays | Land der Gegensätze

Land der Gegensätze

Schriftgr��e: Decrease font Enlarge font
image

Ethnische Spannungen. Die Hisbollah im Nacken. Wer reist zwei Jahre nach dem Krieg schon in den Libanon? Der Luxemburger Marc Angel tat es im letzten August.

Check In: Hatten Sie nicht ein mulmiges Gefühl, als Sie in Beirut aus dem Flugzeug stiegen?
Marc Angel: Nein, wieso?

Check In: Sahen Sie die Folgen des Libanon-Krieges, der vor zwei Jahren wütete, nicht mehr?
Marc Angel: In Beirut sah ich noch die Wunden vom Bürgerkrieg, 18 Jahre nach dem Waffenstillstand ist das Hotel George immer noch eine Ruine. Auch die Gebäude, die 2005 beim Mordanschlag auf Ministerpräsident Rafik Hariri beschädigt wurden, sind nicht instand gesetzt worden.

Check In: Waren Sie nicht in Südbeirut, dem schiitischen Stadtviertel, das im Sommer 2006 von israelischen Bomben zerstört wurde?
Marc Angel: Kriegstourismus mag ich nicht. Nach Baalbek musste ich wegen einer zerstörten Brücke einen langen Umweg fahren. Da empfindet man das zahlreiche Militär eher als Beruhigung.

Check In: Sie haben Tourismus studiert und waren als Student Reiseleiter in der halben Welt. Wie charakterisieren Sie den Libanon?
Marc Angel: Das Land hat ein riesiges Potenzial, der Massentourismus ist noch nicht angekommen. Die Infrastruktur jedoch ist vorhanden, Hotellerie und Gastronomie sind ausgezeichnet. Man ist weit entfernt von der Dritten Welt.

Check In: Hält die libanesische Küche, was die Mezze versprechen?
Marc Angel: Von der einheimischen Küche konnte ich nicht genug kriegen. Auch die Weine sind hervorragend, zahlreiche Kellereien laden zu Besichtigungen ein.

Check In: Was fasziniert Sie an Beirut?
Marc Angel: Die libanesische Hauptstadt besteht, wie das ganze Land, aus einer Mischung von drei Kulturen, der christlichen, der moslemischen und der drusischen. Im Christenviertel glaubt man sich in Europa, in den Boutiquen spricht das Personal die Besucher auf Französisch an, und im Moslemviertel herrscht Orient. Beirut ist wie mehrere Städte in einer.

Check In: Und außer Beirut?
Marc Angel: Das Land ist klein und die Distanzen sind kurz. Ich wohnte in der Hauptstadt und unternahm Tagesausflüge mit dem Mietauto. Die sind allerdings selten, da die reichen Golfstaatler das Land regelrecht überlaufen.

Check In: Besuchten Sie auch andere Städte?
Marc Angel: Ich besuchte Byblos, eine kleine Stadt am Meer, mit einem gemütlichen Hafen und echter Urlaubs
stimmung. In Sidon im Süden, der Hochburg der Sunniten, fühlt man sich dann wieder im Orient. Enge Gassen, ein lebendiger Souk und ein Seifenmuseum.

Check In: Wo haben Sie sich noch hingetraut?
Marc Angel: In den von der Hisbollah kontrollierten Südlibanon traute ich mich in der Tat nicht. Auf dem Weg nach Baalbek durchquerte ich die Bekaa-Ebene, ein riesiges Tal mit einfachen, kleinen Häuschen, ein wahrer Kontrast zu Beirut. Doch auch dort ist die Hisbollah omnipräsent, überall wehte ihre Fahne.

Check In: Und wie gefiel Ihnen Baalbek?
Marc Angel: Baalbek ist eine riesige römische Tempelanlage, so groß dass man einen ganzen Tag dort verbringen kann. Die Anlage saugt einen auf. Ich war fast allein, wir waren nicht mehr als 20 Besucher. Keine Souvenirhändler, alles authentisch.

Check In: Wie ist die Natur im Libanon?
Marc Angel: Der Libanon hat die Zeder nicht nur im Wappen, in den Bergen wurden ganze Reservate mit Zedern eingerichtet. Schilder weisen darauf hin, dass dort im Winter auch Ski gefahren wird.

hinzuf�gen zu: Add to your del.icio.us del.icio.us | Digg this story Digg

Subscribe to comments feed Kommentare (0 eingetragen):

total: | anzeigend:

Dein Kommentar eintragen comment

Bitte gib den Code auf der Grafik ein:

  • email An einen Freund versenden
  • print Druckversion
  • Plain text Klartext
Tags
Keine Tags f�r den Artikel vorhanden
Bewerte diesen Artikel
0