Fischfutter, nein danke
Schweine werden nicht seekrank. Dies hat ein österreichischer Wissenschaftler nun herausgefunden. Aber für alle anderen «armen Schweine», die im Bus, im Flieger oder auf dem Schiff grün im Gesicht werden, gibt es durchaus Möglichkeiten, wie man den gefürchteten Reisekrankheiten vorbeugen kann.
«Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen...». Wenn die Textzeile dieses alten Schlagers bei Ihnen sofort ein flaues Gefühl im Magen auslöst, dann gehören Sie vermutlich zu der Spezies Mensch, die unter der so genannten Kinetose leidet. So lautet nämlich der wissenschaftliche Begriff für Reise- und Bewegungskrankheit. Der Fachausdruck leitet sich vom griechischen Wort für «bewegen» «kinein» ab, und bezeichnet die Übelkeit, die bei Reisen auf dem Schiff, im Auto, im Bus, im Flugzeug und – selten zwar – im Zug ensteht. Die bekannteste und häufig auch unangenehmste Form davon ist die Seekrankheit. Wer sie schon einmal durchlitten hat, den bringen meist keine zehn Pferde mehr an Bord. Der Mund wird trocken, kalter Schweiß bricht aus, dazu kommen Schwindel und heftige Übelkeit. Höhepunkt der Seekrankheit: Der Patient hängt über der Reling und
«füttert die Fische». Betroffen sind übrigens längst nicht nur Landratten, selbst bei erfahrenen Seeleuten kann die Krankheit aus heiterem Himmel zuschlagen.
Ratgeber
- Trinken Sie mindestens 24 Stunden vor Reisebeginn keinen Alkohol.
- Begeben Sie sich ausgeruht
und stressfrei auf die Reise.
- Überlasten Sie Ihren Magen nicht – maßvoll essen und trinken, Schwerpunkt auf kohlenhydratreiche, fettarme Kost.
- Verzichten Sie auf Drogen und
Genussmittel wie Kaffee und Nikotin.
- Nehmen Sie Nervennahrung zu sich –
dazu zählen Lebensmittel mit Vitamin B1 und Vitamin C.
- Lesen Sie nicht während der Reise.
- Falls Sie Medikamente gegen
Reisekrankheit einsetzen wollen, sollten
Sie das unbedingt VOR Antritt der
Reise tun.Der Auslöser für die Kinetose liegt in einem Konflikt zwischen dem Gleichgewichtssinn im Mittelohr und der Information, die das Auge erhält. Das perfekte Zusammenspiel von allen Sinnesorganen ist aber extrem wichtig für den Gleichgewichtssinn. Es ist ein natürlicher Schutzmechanismus, ohne ihn könnten wir nicht aufrecht gehen, würden ständig hinfallen. Wenn man die Ursachen der Bewegungen mit den Augen nicht fortlaufend beobachten kann, so kann das Gehirn die Informationen aus dem Innenohr nicht mehr zuordnen. Es kommt zu einer Fehlermeldung im Gehirn, das wiederum schüttet jede Menge Stresshormone aus, die anschließend die typischen Symptome auslösen. Interessanterweise ist ein zwanghaftes Gähnen oft eines der ersten untrüglichen Zeichen für eine aufkommende Kinetose. Die Hauptsymptome der Kinetosen sind Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Mattigkeit, Hyperventilation, Schweißausbrüche sowie Herzklopfen. Schlimmes Erbrechen kann sogar im Extremfall zu gefährlichem Flüssigkeits- und Salzmangel im Körper führen.
Säuglinge leiden noch nicht unter den Symptomen des Bewegungsschwindels, da die Gleichgewichtbahnen noch nicht ausreichend entwickelt sind. Am häufigsten tritt die Reisekrankheit zwischen dem 2. und 12. Lebensjahr auf, nach dem 50. Lebensjahr wird der Bewegungsschwindel selten, da die Sinnesorgane im Rahmen des Alterungsprozesses degenerieren. Frauen sind anfälliger als Männer, besonders während der Schwangerschaft, was für einen gewissen hormonellen Einfluss spricht. Auch ängstliche Menschen sind häufiger betroffen.
Eine unendliche Geschichte muss die
Kinetose aber nicht werden. Wird das Gehirn dauerhaft oder auch regelmäßig diesem Fehler-Stress-Symptom-Modell ausgesetzt, tritt eine gewisse Gewöhnung ein. Deshalb klingt eine Seekrankheit auch ohne Behandlung meist nach zwei bis drei Tagen wieder ab. Doch in der schönsten Zeit des Jahres zählt schließlich jede Minute, da braucht man nicht noch elend über der Reling zu hängen! Falls Sie also für die Vakanz eine Kreuzfahrt oder einen lustigen Segeltörn gebucht haben sollten, keine Sorge – Sie müssen nicht stornieren, aber sich vorsichtshalber gut vorbereiten.
Neben den klassischen Verhaltensregeln vor und auf der Reise (siehe Kasten!), kommen nun die Schweine ins Spiel. Die meisten Säugetiere werden reisekrank, auch manche Vögel, und sogar bei Fischen wurden Symptome der Kinetose beobachtet. Aber nicht bei Schweinen! Der österreichische Mediziner Prof. Reinhart Jarisch hat herausgefunden, woran das liegt: Schweine können besonders gut Histamin abbauen. Dies können Menschen zwar auch, aber nicht in diesem Maße. Was beim Histaminabbau hilft, ist viel Schlaf und die Einnahme von Vitamin C. In jedem Fall beugt auch der Verzicht von Histamin bildender Nahrung vor Reiseantritt der Übelkeit vor: Dazu gehören unter andern Schokolade, Tomaten, Salami und Rotwein. Logischerweise helfen auch Antihistaminika – das sind Arzneimittel gegen Allergien – gegen eine
Kinetose. Wer jedoch nicht zu Pillen greifen möchte, für den haben alte Seebären eine Alternative ohne Nebenwirkungen: Ingwer. Die asiatische Wunderknolle ist nicht umsonst Liebling der Naturmediziner und hilft in Form von aufgebrühten Tees, als Pulver oder ganz simpel, indem man prophylaktisch auf einem Stückchen herumkaut. Gute Reise!n





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